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Lyrik und Baustelle

War heute in unserer Produktion, was zum einen gute 500km Fahrt über russische Strassen bedeutet. Zum anderen musste ich gegen 5h Morgens aufstehen, wobei ich sehr schlecht geschlafen habe. Das führte dazu, dass ich auf der Fahrt beinahe eingeschlafen wäre und "Chef" auf den letzten 90 km übernehmen musste.

Dort angekommen war es eigentlich wie immer: grosse Baustelle, viel zu wenig fertig bekommen und ein Haufen Kritikpunkte. Trotz vieler erwachsenen und erfahrenen Menschen dort muss ich immer wieder in den Prozess eingreifen und fühle mich oft wie ein Erziehen im Kindergarten.Ja, die russische Seele ist an diesen Gott-verlassenen Ort mit dem malerischen Namen "Roschal", gegenwärtiger als sonst wo auf der Welt. Alle sind überfordert, gestresst, aber dennoch locker und glücklich. Allerdings sind alle nüchtern, und somit zeigt die von uns initiierte Alkoholkontrolle vor dem Dienstbeginn anscheinend Wirkung.

Nicht desto trotz nimmt das ganze endlich Formen an und ich habe Hoffnung, diesen Sommer die Anlage in Betrieb nehmen zu können.

Ein netter Nebeneffekt des Ganzen ist die Ablenkung von meinem Leben...von dem Leben, was gerade in Trümmern liegt und die bei dem Einsturz freigesetzte Asche sich wie eine Wolke über noch aus den Boden ragenden Überresten legt und nur sehr langsam auf den Boden sinkt.

Ja ja, mein Deutsch LK beim Herrn S***k (tiefe Verbeugung an dieser Stelle), dem Menschen der mich dazu gebracht hat diese Fremdsprache richtig zu schmecken und zu lieben, zeigt noch 6 Jahre nach dem Abitur Wirkung. Obwohl ich gestehen muss, dass ich mich oft gefragt habe, welche Drogen dieser Mann in seiner Jugend, oder vor dem Unterricht zu sich genommen hat. Sein Gehalt allein konnte wohl kaum der Antrieb für derartig tolle Unterrichtsstunden gewesen sein.

Die alte Internatszeit...eine tolle Erfahrung und der Teil meines Lebens, welches ich nie hergeben würde. Auch wenn es für sie immer ein kleines Problem war, denn sie konnte mit einer derart "konservativen" Erziehung und vielen meiner Mitschüler nur wenig anfangen. Es beruhte aber auf Gegenseitigkeit, da auch ich nur wenig Interesse für das "Tanzen des eigenen Namens" aufbringen konnte.

Ich würde aber lügen wenn ich behaupten würde, dass meine gute Laune heute nicht aufgesetzt war. Zwar tut mir die Ruhe gut, aber ich muss nach wie vor daran denken. 

...es regnet gerade. Die Luft, die durch das Fenster hineinströmt ist einzigartig und existiert nur in Moskau...ich würde diesen Duft überall wiedererkennen.

 

9.7.09 22:44


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in der Ruhe liegt die Kraft

Bin wieder im Büro, habe aber leicht verschlafen und aus dem Grund gute 15min später als sonst.

Ich mag diese Ruhe morgens, der Tag ist noch so frisch und "neu", ohne jeglichen Nachgeschmack, den man vorm Schlaf immer hat.

Ich habe gestern es tatsächlich geschafft, mich ein wenig abzulenken und nicht wieder in eine Depression zu verfallen. Auch heute habe ich keine Email von ihr bekommen, was ich seltsamerweise als sehr angenehm empfinde.Vor allem hoffe ich, dass sie absichtlich nicht auf meine letze Mail geantwortet hat, uns es nicht einfach nur aus Zeitgründen nicht geschafft hat.

Irgendwie habe ich in den vergangenen Tagen und Wochen derart viel gesagt und geschrieben, dass ich selbst den Faden verloren haben und jetzt einfach nur meine Ruhe haben möchte. Ich habe keine Lust mehr, es noch schlimmer zu machen und sie weiter zu provozieren, und ich hoffe sie empfindet das genauso.

Was den "Abschiedsbrief", welcher unter anderem die Wohnverhältnisse regeln soll angeht, bin ich allerdings leicht unentschlossen. Auf der einen Seite sollte dieser nun einen Schlussstrich ziehen und vor allem mir helfen, die Sache abzuschließen. Auf der anderen Seite habe ich diesen geschrieben, als ich verzweifelt und geladen war. Wie auch immer, den Text werde ich sowieso umschreiben und mit dem Abschicken mit noch ein paar Tage Ruhe gönnen.

Ich habe gestern mit einer ihrer Freundinnen gechattet und es hat mir echt gut getan. Sie hat es geschafft, mich das Ganze leicht distanziert  zu sehen, aber auch nachdenklich zu machen, was den Grund für das was passiert ist angeht. Ich habe einsehen müssen, verdammt viele Fehler gemacht zu haben und sie, meine "Freundin", nicht immer fair behandelt zu haben.

Auch war meine häufige Abwesenheit für sie wohl ein viel größeres Problem, als ich es mir gedacht habe. Zwar ändert es nichts an der Tatsache, dass es jetzt vorbei ist zwischen uns und sie das so nicht mehr weiterführen will. Es sind aber schon mal konkrete Probleme und Tatsachen, und nicht diese schmerzhafte und alles begründete Aussage, es seien einfach nur alle Gefühle für mich weg.

8.7.09 06:38


07:11


Bin gerade im Büro angekommen, es ist bis auf den Sicherheitsdienst und die Putzfrau noch keiner da.

 

Die Fahrt ins Büro, typisch für Moskau. Die Sonne scheint, keine Wolke am Himmel, das Thermometer zeigt +5°C. Meine Mutter hat wohl wieder aufgeräumt und meine Sonnenbrille an einen Ort gelegt, "wo ich sie sehr schnell wiederfinde"...somit musste ich ohne fahren. Das ist echt ein Nachteil, denn ich kann kaum was sehen wegen der Sonne. Leider können andere Autofahrer meine Tränen in den Augen sehen, obwohl es nur ein paar sind. Tränen, die ich nicht ganz zurückhalten kann, und der Grund dafür ihre Email ist von heute Nacht ist.

 

Die Mail war kurz, aber aussagekräftig.

Der Satz "Es ist jetzt so wie es ist und es tut mir auch weh!" bringt eigentlich alles auf den Punkt. Ja, es ist nicht die Nachricht die ich mir erhofft habe.Habe es nicht lassen können, ihr schnell zu antworten. Ein weiterer Versuch, die Luft aus dem Ganzen heraus zu lassen. Aber ich mache mir keine Hoffnungen, denn sie hat auf Stur geschaltet und jedes Wort von mir löst in ihrem Inneren nur noch eine größere Abneigung aus. Vielleicht ist es aber auch nicht so und sie ist mit der Situation genau so überfordert wie ich und will einfach ihre Ruhe haben, ohne Entscheidungen treffen zu müssen.

Ich bin ziemlich zügig gefahren, habe versucht nach vorne zu denken. Muss dauernd rechts überholen, denn die linke Spur ist wie immer blockiert und das Rechtsfahrgebot ist in dem Land ein Fremdwort. 

Höre immer wieder das gleiche Lied, welches irgendwie zu meiner Laune passt, eine House-Version eines 80er Hits. Leider kann mein FM-Sender die Lautstärke nicht ganz so laut machen und das fand ich richtig blöd.


Der Abschiedsbrief ist schon seit Sonntag fertig, aber ich will den noch nicht abschicken. Keine Lust und doch noch Hoffnung, zu undurchsichtig ist das Ganze für mich.

Mein Kollegen trudeln langsam ein, ich kann zum Glück gute Laune vortäuschen und mir nichts anmerken lassen.

7.7.09 05:51


Montag

Ich hätte nie gedacht, dass triste Büroarbeit so gut tun kann. Ich hatte wieder einige Erfolgserlebnisse, habe mich sogar dabei erwischt, wie ich gelacht habe.

Es ist eine willkommene Abwechslung, um nicht immer nur an sie und das was passiert ist zu denken. Obwohl es natürlich nach wie vor mein Thema Nr.1 ist und meine Laune immer wieder aufs neue ruiniert. Paar Freunde versuchen mir via. Email und IM in den Arsch zu treten und mich dazu bringen, das ganze abzuschließen. Ich bin aber noch nicht bereit dazu, ich weiß gerade eh nicht mehr was das Beste für mich wäre. Auf der einen Seite vermisse ich sie und würde gerne wieder in unsere Wohnung zurückkehren und mit ihr wunderbare Stunden verbringen. Dann muss ich aber sofort an den Alptraum denken, der bei meinem letzten Besuch dort sich abgespielt hat und dass es eigentlich einfach nur vorbei ist, warum auch immer.

Aber die Frage nach dem WARUM lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Ich versuche dabei, sie immer wieder zu hassen und mir einzureden, dass es gut ist, dass es vorbei ist. Klappt leider nur bedingt, denn eigentlich bin ich es, der mir weh getan hat. Sie wollte einfach nur weg von mir, ein neues Leben anfangen, ...

Das alles ist schon schlimm genug, aber zumindest in einer Weise ehrlich. Klar, wenn ich ein wenig weiter zurückdenke, kippt diese Logik wieder, und ich sehe das ganze nun doch wieder anders. So geht das die ganze Zeit, nur weiß ich genau, dass es ihr gut geht und sie gerade ihr Leben in vollen Zügen genießt.

 

Rückfahrt vom Büro nach Hause, die Sonne scheint, der Verkehr stock, wie immer. Ich bin ungewöhnlich gut drauf und gelassen, höre laut Musik und denke an die Zukunft.

Die Euphorie hält genau bis zum Parkplatz an, Zuhause haben die Gedanken mich wieder fest im Griff. Mutter schaut eine Sendung über Beziehungsprobleme auf RTL, das gibt mir so ziemlich den Rest.

Noch ein Problem: habe es versäumt, mich für die Klausuren anzumelden, weil ich ja so fluchtartig das Land verlassen habe. Was ich jetzt machen soll, weiß ich gerade nicht. Im Prüfungsamt anrufen und darum betteln, mich doch noch zuzulassen? Würde evtl. gehen, aber ich kann es mir gerade eh nicht vorstellen, die Klausur zu schreiben. Denn dafür müsste ich wieder nach Düsseldorf, in unsere Wohnung, das würde mich auf jeden Fall wieder umhauen, auch wenn sie bis dahin schon ausgezogen ist.

Ich könnte sie gerade wieder hassen, denn sie hat mir den ganzen Sommer ruiniert. In unserem letzten Gespräch habe ich ihr das gesagt, aber auch erwähnt, dass ich sie trotzdem noch mag. Sie sagte dann nur, dass ich es nicht tun soll. Super Antwort, sie möchte wohl, dass ich sie scheiße finde und von selbst gehe...sie scheint mich gerade ja besonders gern zu haben.

 

EMail von einem Freund. Er regt sich auf, dass ich wegen ihr mit dem Gedanken spiele, das Land zu verlassen. Recht hat er, es ist nicht logisch, wegen einer Frau sowas zu tun. Nur habe ich gerade keine Kraft mehr, mich mit ihr zu streiten und mir die Trennung so derart "Live" zu geben. Dann lieber Abstand, Neuanfang, backt to the roots?

Bin genervt, von mir selbst und meiner schlechten Laune. 

Warum passiert mir eigentlich seit  Jahren in regelmässigen Abständen immer so eine Scheiße? Muss wohl an mir liegen, machen anscheinend immer wieder was falsch...

 

6.7.09 21:16


NACHTrag


...es hat anscheinend geklappt, denn ich kann meinen ersten Eintrag sehen.

 

Auch wenns keiner liest, möchte ich paar Zeilen niederschreiben. 

Meine Beziehung ist nach mehr als 3 Jahren unerwartet und auf eine häßliche Art zerbrochen, ich wuerde verlassen und habe die Flucht in meine Heimat ergriffen. Hier gibt es wenig, was mich an Sie erinnert, dafür aber viel Arbeit, welche mich aber derzeit wieder antreiben soll.

 

Ich bin verletzt und leer, es ist nichts richtig geklärt und Düsseldorf ist gerade ein Ort für mich, den ich am liebsten meiden möchte. Denn ich liebe sie immer noch, auch wenn das Wort "Liebe" weder ich, noch jemand anders in dieser Situation richtig definieren kann. Viele würden auch nur "Gewohnheit" oder "Verlust" dazu sagen, ich belasse es bei "Liebe", denn ich möchte es so.

Ich habe es heute erneut mit ihr verbockt, statt eines sachlichen Chat-Gespräches hab ich es aus lauter Verzweiflung wieder an die Spitze getrieben. Jetzt ist sie noch weiter von mir entfernt und das habe ich mir ganze allein zuzuschreiben.

 

Unser Fall ist klassisch, es gibt zahlreiche Filme und Lieder darüber, und die Perspektive ist logisch und klar...aber ich will es nicht so... Bin ein Träumer, ein Optimist, ein Idiot. Sie atmet ihr neues Leben tief ein und genießt es, ich sitze am Trümmerhaufen und versuche, den Totalschaden wieder aufzubauen und zu reparieren. Das Wort Trennung ist mein Unwort des Jahres...genau wie der Satz "es tut mir leid...". Ich hasse es.

Bin absolut leer und müde, gehe schlafen...

 

 

5.7.09 22:24


erste Schritte

Moskau, starker Regen bei 12°C.

 

Das ist mein erster Versuch, einen eigenen Blog zu führen. Ich habe eigentlich nie besonders viel übrig gehabt für eine derartige Form von Selbstdarstellung.

Ich habe auch keinen iPod, rauche dafür gerne teuere Zigarren und lese in meiner Freizeit Fachliteratur über Oldtimer und neuste Sportwagen.

Allerdings bin ich gerade an einen Punkt, wo ich meinen schein-intellektuellen Kopfinhalt nicht länger für mich allein behalten will und diesen gerne der Außenwelt zwecks einer kritischen Auseinandersetzung zur Verfügung stellen möchte.

5.7.09 21:30


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